Die Vakuummatratze
Ein Erfahrungsbericht aus der ZithaKlinik (Luxemburg) - von Frank Heinl
Die Geschichte der Vakuummatratze
Die Vakuummatratze ist vor allem aus dem Rettungswesen bekannt. Dort dient sie seit vielen Jahren als Lagerungshilfe in der Notfallpatienten zum Transport komplett ruhig gestellt werden können. Sie wird eingesetzt z.B. bei jedem Verdacht auf Wirbelsäulenverletzungen, bei Brüchen des Oberschenkels bzw. Oberschenkelhalses.
Die Vakuummatratze besteht aus einer luftdichten Hülle, die kleine Kunststoffkügelchen beinhaltet. Durch das Absaugen der Luft wird sie fest und kann individuell angepasst werden. Erst später erkannte man, dass dieses Lagerungssystem auch im OP eingesetzt werden könnte. Ich selbst lernte die Vakuummatratze während eines Lagerungs-Workshops von einem Schweizer Kollegen kennen und war sofort von diesem Lagerungskonzept überzeugt. Der erste Einsatz in unserer Klinik fand bei mir in Form einer Nierenlagerung statt und war ein voller Erfolg. Danach kamen immer mehr Indikationen im gesamten OP hinzu.
Inzwischen lagern wir folgende Operationen standardmäßig in der Vakuummatratze:
- Seitenlagerung (Niere, Thorax, etc.)
- Steinschnittlagerung (Hysterektomie, Hämorrhoiden, etc.)
- MIC-Lagerung (MIC-Sigma, MIC-Rektumamputationen, etc.)
- Seitenlagerung in der Neurochirurgie (Trepanationen aller Art)
- Rückenlagerung bei langen Operationen zur Dekubitusprophylaxe. (Neckdissektion, lumbale Bandscheibenprothesen.)
- Seitenlage bei minimalinvasiven Hüftprothesen.
Eigenschaften der Vakuummatratze
Durch ihren Aufbau ermöglicht die Vakuummatratze eine sehr breitflächige Abstützung im Bereich des gesamten Körpers. Dies ergibt eine sehr sichere Lage des Patienten auf dem OP-Tisch. Auch das Herausarbeiten von individuellen Körpermerkmalen (z.B. Amputierte Gliedmaßen) und spezielle Lagerungen z.B. der Extremitäten sind problemlos möglich. Dadurch ergibt sich zwangsläufig auch eine wesentlich bessere Dekubitusprophylaxe, da der Auflagedruck auf eine sehr große Fläche verteilt wird.
Druckspitzen und eingeklemmte Körperteile, wie noch von den Seitenstützen her bekannt, gehören somit der Vergangenheit an. Es wird auch weniger Lagerungsmaterial, wie zum Beispiel Stützen, Polsterungen, Kissen und Rollen, benötigt.
Eine weitere Eigenschaft der Vakuummatratze wird im Allgemeinen nicht genug beachtet: Durch die Füllung der Matratze mit kleinen Styropor-Kugeln, wirkt die Matratze auch als Wärmespeicher. Das heißt, der Patient kühlt auch bei längeren Operationen wenig bis überhaupt nicht aus.
So ergibt sich eine sicherere und auch zeit- und kostengünstigere Lagerung des Patienten bei vielen Indikationen.
Das Handling der Vakuummatratze
Der Umgang mit der Vakuummatratze ist recht einfach, wenn man einige Tipps berücksichtigt.
- Bevor der Patient auf die Matratze gelegt wird, muss Luft heraus gezogen werden. Und zwar genau so viel, dass sich die Matratze noch gut kneten lässt.
- In unserer Klinik haben wir höhenverstellbare OP-Tischlafetten. So ist es uns möglich den Patienten mit der Umbettschleuse direkt auf die Vakuummatratze zu legen.
- Wir benutzen kein Tuch zwischen Matratze und Patient (dazu später mehr), deswegen ist es für uns nötig den Patienten beim Umlagern etwas hochzuheben, da er sonst festklebt. (Auch hier ist das Vakuum in der Matratze sehr wichtig.)
- Wenn der Patient umgelagert ist wird die Vakuummatratze sofort an den Körper modelliert und alle Details herausgearbeitet.
- Danach wird mit dem Saalsauger, der schon vorher mit der Matratze verbunden wurde, das Vakuum gezogen.
- Durch die Wärmespeicherfunktion der Matratze muss, vor allem bei längeren Operationen, unbedingt die Körpertemperatur mittels einer Rektalsonde kontrolliert werden. Eine Wärmezufuhr durch BairHugger, oder ähnlichem muss in der Regel nicht erfolgen.
Wie bereits erwähnt, benutzen wir kein Tuch als Unterlage zwischen Matratze und Patient. Dies hat für uns seine Gründe und auch seine Konsequenzen:
Es darf kein Baumwolltuch benutzt werden, da Baumwolle wenn sie feucht wird, sehr hart ist und so die Falten im Tuch Dekubitalulzera hervorrufen können. Aber auch andere Tücher bergen die Gefahr in sich, dass Falten und somit Dekubitalulzera entstehen können. So haben wir uns nach umfangreichen Testläufen entschlossen, keine Tücher zu nehmen. Wir legen den Patienten direkt auf die Vakuummatratze.
Dies hat natürlich seine Konsequenzen:
- Beim Lagern unbedingt auf Hautspannungen achten und diese durch leichtes Anheben beseitigen.
- Bei der Hautdesinfektion auf beide Seiten saugfähige Tücher legen und keine übermäßigen Mengen an Desinfektionsmittel verwenden. Hier gilt nicht das Motto. „Viel hilft viel.“
- Es muss eine gut klebende und wasserdichte OP-Abdeckung, am besten mit Inzisionsfolie zur Anwendung kommen.
Fazit für die ZithaKlinik
Für unseren OP stellt die Vakuummatratze eine der wichtigsten Neuerungen in der Patientenlagerung im OP dar. Durch die Vakuummatratze können viele Lagerungsfehler ausgeschlossen werden. Auch ehemals komplizierte Lagerungen können nun in kürzerer Zeit durchgeführt werden. Der Patient liegt sicher und stabil in seiner Form. Dekubitalulzera werden vermieden und der Patient kühlt nicht so schnell aus.
Doch Vorsicht: Die Vakuummatratze eignet sich nicht für alle Indikationen.
Hier muss sehr genau beobachtet werden, wie der Patient sich während der Operation verhält und ob er nicht, wie in der Orthopädie/Traumatologie möglich, aus der Form herausbewegt wird. Dann verwandeln sich die Vorteile der Vakuummatratze plötzlich in erhebliche Nachteile.
Der Autor
Frank Heinl arbeitet seit 10 Jahren in der ZithaKlinik, Luxemburg im Zentral-OP. Seine Spezialgebiete sind die Urologie und Gynäkologie. Außerdem ist er zuständig für Fragen, die Patientenlagerung im OP betreffend. Frank Heinl ist seit etlichen Jahren Mitglied in einer internationalen Gruppe von Lagerungsexperten, die sechs bis achtmal im Jahr einen Workshop für OP-Lagerungen unter der Schirmherrschaft eines OP-Tischherstellers durchführen.
