Immer in der korrekten Position

Hüfteingriffe mit Extensionseinheit

Der Assistent ist entlastet, der Operateur kann entspannter arbeiten, für den Patienten bestehen weniger Risiken: der Einsatz von Extensionseinheiten bei Hüftoperationen bringt für alle Beteiligten Vorteile. Auch die Klinik für Orthopädie des Schweizer Kantonsspitals Frauenfeld setzt auf diese Unterstützung durch modernes OP-Equipment.

Der Patient wird für die OP vorbereitet
Der Patient wird für die OP vorbereitet

Operationen an der Hüfte sind längst keine Seltenheit mehr: Rund 180.000 Menschen lassen sich laut dem Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen (AQUA) allein in Deutschland jährlich ein künstliches Hüftgelenk einsetzen. Von Jahr zu Jahr werden es mehr Patienten – jene, bei denen erstmals eine Prothese eingesetzt wird, und jene, bei denen die Prothese gegen eine neue ausgetauscht werden muss. Um die Muskeln zu schonen und die Genesung zu beschleunigen, wird bei der Operation in beiden Fällen seit einigen Jahren in erster Linie ein minimal-invasiver Zugang gewählt.

Auch im Kantonsspital Frauenfeld in der Schweiz stehen Hüftoperationen an der Tagesordnung. Rund 200 sind es dort im Jahr. Dr. Paul-Michael Bodler, Chefarzt der Klinik für Orthopädie, führt solche Operationen inzwischen mehrheitlich mit einer Extensionseinheit durch. Diese wird am OP-Tisch befestigt, Füße und Unterschenkel des Patienten in den Extensionsschuhen der Einheit sicher und bequem fixiert. Der Vorteil für die Operation: die speziellen Holme und das MIC-Hüft-Aggregat der Extensionseinheit ermöglichen es, die Beine unabhängig voneinander gradgenau zu rotieren, zu flektieren, zu ab- oder adduzieren. So erhält das Bein genau die Position, die für den jeweiligen Operationsschritt erforderlich ist. Ein dick umpolsterter Gegenzugsstab stellt sicher, dass der Patient bei allen Bewegungen der unteren Extremitäten sicher auf dem OP-Tisch liegt.

Das Zugspindelaggregat unterstützt  bei der Grob- und Feineinstellung für eine exakte Positionierung der Extremität
Das Zugspindelaggregat unterstützt bei der Grob- und Feineinstellung für eine exakte Positionierung der Extremität

Weniger Zug und Spannung

„Für mich als Operateur wird der Eingriff einfacher und angenehmer, da das Bein wesentlich exakter und reproduzier-barer in die verschieden für die Operation notwendigen Stellungen gebracht werden kann“, sagt Bodler. Ohne solches Zubehör am OP-Tisch ist man auf die manuelle Unterstützung des Assistenten angewiesen, um den korrekten Zugang in den Oberschenkelknochen zu bekommen. Konkret sieht das so aus: Der Assistent adduziert das Bein, an dem der Eingriff stattfindet. Dann muss er eine absolut exakte Aussenrotation des Beines durchführen und es fixiert ihn in dieser Position halten. „Auf Dauer hat das schon einige Kraft gekostet“, so Bodler. „Insbesondere, da das Bein nicht verrutschen darf, denn dann könnte es sein, dass die Hüftprothesen nicht korrekt positioniert werden.“

Die Extensionsschuhe fixieren die Füße bequem und sicher
Die Extensionsschuhe fixieren die Füße bequem und sicher

Mit Extensionseinheiten vertraut ist Bodler bereits seit vielen Jahren. Bevor er nach Frauenfeld kam, hatte er bereits in der Orthopädischen Klinik des Kantonsspitals St. Gallen mit deren Unterstützung operiert. Seit September 2010 arbeitet Bodler im Kantonsspital Frauenfeld und hat im Dezember 2010 den OP-Tisch TruSystem 7500 und die Extensionseinheit mit MIC-Hüft-Aggregat von Trumpf Medizin Systeme getestet. Seither operiert er mit dieser Einheit. „Die Handhabung ist sehr einfach und intuitiv, das hat mich schnell überzeugt“, sagt  Bodler. Bedient wird das Aggregat von OP-Schwestern oder -Pflegern, der Assistent kann sich voll und ganz auf den Eingriff konzentrieren und hat die Hände frei, um den Operateur zu entlasten.

Die Extensionseinheit mit MIC-Hüft-Aggregat lässt sich für jede Eingriffsart und jeden Patienten individuell anpassen
Die Extensionseinheit mit MIC-Hüft-Aggregat lässt sich für jede Eingriffsart und jeden Patienten individuell anpassen

Freischwebend und platzsparend

Ein weiterer großer Vorteil: Die gesamte Einheit ist ausschließlich am OP-Tisch befestigt und kommt ohne Bodenstütze aus. Das macht sie besonders flexibel und platzsparend. Gleichzeitig ermöglicht dieser Aufbau einen guten Zugang für einen mobilen Röntgen-C-Bogen. Wichtig ist deshalb auch, dass ein Großteil der Bestandteile durch-leuchtbar ist. Beim MIC-Hüft-Aggregat von Trumpf stellen dies Karbon-Elemente, sowie eine intelligente Anordnung von Koppelstellen mit teilweise abnehmbaren Gelenken sicher. So sind auch 3-D-Darstellungen im Becken- und Beinbereich möglich.

Bislang hat das Frauenfelder Krankenhaus nur eine Extensionseinheit mit MIC-Hüft-Aggregat, aber es sollen schon bald mehr werden. „Schließlich ist das Aggregat außer für Hüft-Endoprothesen auch etwa bei Operationen von Knochenbrüchen im Oberschenkelbereich, Beckenfrakturen oder für die Hüftarthroskopie nutzbar“, erklärt Bodler.

Eröffnung des Hüftgelenkes
Eröffnung des Hüftgelenkes

Standardisierte Operationen minimieren Fehler

Bodlers Wunsch ist es, Vorgänge bei Operationen zu standardisieren, um Fehler zu minimieren. „Mit dieser Extensionseinheit ist das sehr einfach möglich. Alle Einstellungen sind exakt reproduzierbar.“ Bei minimal-invasiven Hüftoperationen mit Extensionseinheit verfährt das Operationsteam stets nach dem gleichen Schema: Nachdem der Operateur den Schnitt gesetzt hat, hält der Assistent die Muskeln mit Hilfe von speziellen muskelschonenden Haken zur Seite.

Ein gasfederunterstütztes Kardangelenk hilft bei der freien, dreidimensionalen Verstellung des Beins
Ein gasfederunterstütztes Kardangelenk hilft bei der freien, dreidimensionalen Verstellung des Beins

Nach Eröffnung des Hüftgelenkes extendiert der Lagerungs-pfleger das Bein mit Hilfe des Zugspindel-aggregates. Der Operateur präpariert nun den Hüftkopf frei und trennt ihn mit einer oszillierenden Säge vom Femur. Dann wird die Extension komplett gelöst. Dadurch kann das Risiko einer Nervenschädigung deutlich reduziert werden. Somit hat der Operateur freien Zugang zur Hüftpfanne. Um den erforderlichen Platz für die künstliche Hüftpfanne zu schaffen, arbeitet er sich Schritt für Schritt mit einer Pfannenfräse mit immer größeren Aufsätzen vor, bis die passende neue Hüftpfanne eingeschlagen werden kann. Nachdem das Pfannenimplantat eingesetzt ist, beginnen die Vorbereitungen zum Einsetzen der Schaftprothese in den Oberschenkel-knochen. Hier zeigt das MIC-Hüft-Aggregat was es kann. Das Bein wird über das Zugspindelaggregat um 90 Grad nach außen gedreht, hyperextendiert und adduziert. So hat der Operateur den besten Zugang zum Femur. Anschließend wird der Schaft bis zur optimal passenden Größe aufgeraspelt. Nun wird ein Probeprothesenkopf auf die letzte Raspel aufgesetzt und das Gelenk wird reponiert. Dazu wird das Bein mit Hilfe der Extension in seine anatomisch korrekte Position gebracht. Anschließend wird die Hüfte geröntgt, um sicher zu gehen, dass alle Implantate richtig sitzen. Fällt die Röntgenkontrolle positiv aus, wird das Bein wieder zurück in die für den Eingriff benötigte Position gebracht. Der Operateur entnimmt die Probekomponenten und setzt das definitive Implantat ein. Das Gelenk kann nun durch erneute Extension und Innenrotation reponiert werde. Zuletzt müssen nur noch die Muskelfaszie, das Unterhautfettgewebe und die Haut verschlossen werden.

Operation gelungen - der Patient wird aus dem OP gefahren
Operation gelungen - der Patient wird aus dem OP gefahren

Immer im richtigen Winkel

Während all dieser Vorgänge stellt die Extensionseinheit sicher, dass sich das Bein des Patienten immer in der optimalen Position befindet und zwar genau so lange, wie es erforderlich ist. Ebenso wichtig: Damit trotz der zum Teil extremen Positionierung keine Fehlstellungen des Beckens auftreten, sorgt die Extensionseinheit dafür, dass sich das gesunde Bein in einer ausgleichenden Stellung befindet. Nach der Operation lässt sie sich mit wenigen Handgriffen vom OP-Tisch abnehmen. Der Patient muss dafür kaum bewegt werden: es reicht, den Verschluss des Extensionsschuhs zu lockern und ihn abzuziehen. Mit einem Transportshuttle wird der OP-Tisch dann von der Tischsäule genommen und der Patient darauf aus dem Saal gefahren. Auch wenn es für den Operateur wegen der verringerten Spannung angenehmer ist, mit der Extensionseinheit und dem MIC-Hüft-Aggregat zu arbeiten – weniger komplex wird der minimal-invasive Eingriff dadurch nicht: „Die Lernkurve ist in etwa die gleiche. Auch mit Extensionseinheit dauert es rund 30 Operationen, bis man Routine hat.“ Erst dann könne ein Arzt den Eingriff eigenständig durchführen. „Man braucht wegen des kleinen Sichtfelds bei minimal-invasiven Eingriffen eine sehr genaue Vorstellung davon, wie beispielsweise die Pfanne positioniert sein muss.“ Andernfalls sei das Risiko sehr groß, die Komponenten falsch einzusetzen. „Aber dafür“, so Bodler, „ist die Operation weit schonender, die Muskelstruktur bleibt unverletzt und der Patient steht schon am nächsten Tag wieder auf den Beinen.“

Dr. Paul-Michael Bodler
Dr. Paul-Michael Bodler

Dr. Paul-Michael Bodler
ist in Lindau am Bodensee aufgewachsen und hat an der Universität Ulm studiert. Seine Ausbildung in der Orthopädie begann er in der Orthopädischen Klinik des Vincentiuskrankenhaus in Konstanz.

Seit 2001 arbeitete Bodler an der Orthopädischen Klinik des Kantons-spitals St. Gallen (KSSG), unter der Leitung von Prof. Dr. Markus Kuster. Als Oberarzt spezialisierte er sich insbesondere auf die Revisionsendoprothetik.

Seit dem 1. September 2010 ist er Chefarzt der Orthopädischen Klinik das Kantonsspitals Frauenfeld.

Immer in der korrekten Position