Teamwork im OP
Mit integrierter Magnetresonanztomographie und Neuronavigation ist die „BrainSUITE“ des Günzburger Bezirkskrankenhauses eine echte Besonderheit. Für das OP-Team ist die Arbeit mit intraoperativer Diagnostik mittlerweile Routine – und fester Bestandteil im Alltag der Neurochirurgie.
Mehr als 180 Patienten hat das Chirurgen-Team des ärztlichen Direktors Prof. Dr. Wirtz in der BrainSUITE seit ihrer Inbetriebnahme im September 2008 bereits operiert. „Unsere ersten Erfahrungen sind sehr positiv“, sagt Dr. Thomas Schmidt, der gemeinsam mit Dr. Ralph König die medizinische Projektleitung des OPs verantwortet. Die chirurgische Präzision sei durch die intraoperative Diagnostik und die Neuronavigation deutlich höher als ohne dieses Verfahren. Möglich macht dies das exakte Zusammenspiel des Navigations- und Datenmanagementsystem von BrainLAB mit dem Magnetresonanztomographen (MRT) MAGNETOM Espree von Siemens Healthcare, dem deckenmontierten Operationsmikroskops Pentero C der Firma Zeiss und dem OP-Tisch-System JUPITER von TRUMPF. Von Beginn an hat die Koordination von Mensch und Technik sehr gut funktioniert. Natürlich lerne man dazu, so Dr. Schmidt. Detailveränderungen hätten etwa die sterile Abdeckung verbessert, so dass es trotz des theoretisch erhöhten Risikos durch Patiententransfers in den MRT bisher keine einzige postoperative Infektion gegeben habe. Auch neurovaskuläre- oder epilepsiechirurgische Eingriffe finden in der BrainSUITE statt, nicht zuletzt ermöglicht durch den OP-Tisch JUPITER mit Wechselplattensystem, auf dessen Säule auch jede andere TRUMPF Tischplatte passt. „Trotz des erhöhten technischen Aufwands können wir hier genauso arbeiten wie in jedem anderen OP“, meint Dr. Schmidt. „Die BrainSUITE ist komplett in den Alltag integriert. Und nur so, wenn alle, von den Ärzten über das Pflegepersonal bis hin zu den Reinigungskräften, mit den technischen Besonderheiten vertraut sind, kann ein solcher Saal funktionieren.“
Hand in Hand mit Hightech
Besonderheiten gibt es in der BrainSUITE in der Tat zu beachten, vor allem in puncto Sicherheit. Aufgrund der starken magnetischen Anziehungskraft von 1,5 Tesla befindet sich der MRT in einem farblich markierten Bereich. Metallische Gegenstände dürfen diese Linie nicht passieren. Eine Herausforderung, die jedoch wettgemacht wird durch ein konsequent umgesetztes Sicherheitskonzept und den medizinischen Vorteilen, die der MRT mit sich bringt. Verändert sich während der OP die Anatomie des Gehirns, leisten MRT-Bilder, die Funktionszentren oder Durchblutungsstörungen abbilden, wertvolle Hilfe. „Die intraoperative Diagnostik kann, abhängig von der jeweiligen Erkrankung, die Operationsstrategie beeinflussen“, erläutert Dr. Schmidt. „Grenzt etwa ein Hirntumor an kritische Bereiche wie das Sprachzentrum, entfernen wir zunächst im Grenzbereich weniger Tumorgewebe. Durch die aktuellen MRT-Bilder können wir den anatomischen Status neu analysieren und gezielt Resttumorgewebe entfernen.“ Das reduziert das Risiko für dauerhafte Schäden wie Lähmungen und erspart Patienten eventuell eine zweite OP. Zudem lassen sich Tumore vollständiger resezieren, die reduzierte Tumorlast wiederum verbessert die Ausgangslage für eine onkologische Nachbehandlung.
Um das zu erreichen, muss in der BrainSUITE eins ins andere greifen, beginnend mit der exakten Lagerung des Patienten auf dem OP-Tisch und dem Einspannen seines Kopfs in die Halterung mit integrierter MR-Spule. Diese Position muss stets unverändert bleiben. Möglich macht dies das TRUMPF Tischkonzept JUPITER in Kombination mit einem gemeinsam mit Siemens entwickelten Miyabi-Konzept: Dadurch lässt sich der Tisch manuell in die Transferposition drehen. Über die Tisch-Fernbedienung kann das Team die Platte exakt in Richtung des MRT-Wechseltischs ausrichten, die Stellung lässt sich im Vorfeld abspeichern. Steht ein Transfer an, wird das integrierte so genannte Bridgeboard ausgeklappt, der Tisch gedreht, positioniert und auf die MRT-Schiene abgelassen. Sobald das Bridgeboard komplett aufliegt, stoppt die Tischsäule automatisch und gibt den Transfer frei. Dieser muss zeitsparend, aber sicher erfolgen. Nicht zuletzt deshalb fiel die Entscheidung auf den OP-Tisch JUPITER. „Wir suchten nach einer Lösung, um Patienten so einfach und behutsam wie möglich von der OP-Position in den MRT zu transportieren“, erklärt Dr. Schmidt. Die drehbare Platte ermöglicht auch einen größeren Abstand des Tisches zum Magnetfeld als andere Konzepte, so dass das OP-Team frei und sicher arbeiten kann. Mehr als 300 Transfers leistete das System während der ersten 70 Operationen flüssig und störungsfrei.
Stets auf dem aktuellen Stand
Je nach Indikation kommt der MRT zwei bis drei Mal während einer OP zum Einsatz. Innerhalb weniger Minuten wandelt die Planungssoftware iPlanNet von BrainLAB die MRT-Aufnahme in ein 3-D-Bild um und spielt es in das Navigationssystem Vector-Visionsky ein. Dieses ortet den Patientenkopf im Raum und stellt sämtliche Daten für die Fortsetzung des Eingriffs zur Verfügung. Über das Datenmanagementsystem BrainSUITE NET kann der Operateur per Touchscreen die OP-Technik wie Navigation, Mikroskop oder die Beleuchtung durch die TRUMPF OP-Leuchten iLed selbst steuern sowie bestimmen, welche Patientenbilder er auf welchem Flachbildschirm angezeigt haben möchte. Vergleichbar sei das Ganze ein wenig mit einem Navigationssystem im Auto, so Dr. Schmidt. „Sie fahren und sehen eine neue Abzweigung, die das System noch nicht kennt. Würde man diese Straße digital fotografieren und in das Navigationssystem einspeisen, würde es diese das nächste Mal anzeigen. So wird das hier auch gemacht.“ Durch die aktuellen Bilder erhöht sich die chirurgische Präzision. „Trotzdem können wir keine Wunder vollbringen – es gibt anatomische Grenzen, die dazu führen, dass Gehirntumoren inoperabel bleiben“, erklärt Dr. Schmidt. Aber: Mit Hilfe der intraoperativen Diagnostik nähert sich die Medizin diesen Grenzen Stück für Stück immer weiter an.

